Der kleine Prinz ist ein Herzog von Teck

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Noblesse Salutschüsse auf der Burg, Jubel in den Straßen, Freudenfeuer am Albtrauf – das alles ist in Kirchheim unter Teck bei Stuttgart ausgeblieben, als George von Mountbatten-Windsor geboren wurde. Schade eigentlich. Denn der britische Thronfolger ist auch Monarch im Landkreis Esslingen. Von Ulrich Stolte

Kirchheim/Teck/London Fünfzig bis an die Zähne bewaffnete Soldaten bewachen gerade den kleinen Herzog von Teck, mitsamt seinen Eltern Wilhelm und Katharina. Das junge Paar, das man in der Landessprache jener fernen britischen Insel William und Kate nennt, ermöglicht Herzog George eine große Zukunft. Nicht nur weil er dereinst im Land von Sixpence und Fünf-Uhr-Tee König werden könnte, nein, weil er auch die Thronnachfolge in Kirchheim unter Teck inne hat nebst dem Regnum über ein Wanderheim des Schwäbischen Albvereins samt Zufahrtsstraße und Wanderparkplatz, der Burg Teck nämlich.

Ob sich der kleine Herzog einmal als der Held der schwäbischen Geschichte erweisen wird, oder ihn der Rang eines Königs von England zu sehr vereinnahmt, wird sich zeigen. Keine leichte Aufgabe wird es sein, die Alb und das Albvorland wieder in den Kreis der europäischen Fürstentümer emporzuheben. Da nämlich zwischen Nürtingen und Kirchheim ist Ulrich gegangen, der Herzog von Württemberg und Teck, und auch sein Nachfahr Franz von Teck, den die englische Queen Victoria an ihre Cousine Mary Adelaide verheiratete.

Dick wie eine Dampfnudel und arm wie eine Kirchenmaus brannte die frisch eingeheiratete Herzogin von Teck mit ihrem Franzl nach Italien durch, wo sie sich als Grafen von Hohenstein ausgaben, was auch den gutgläubigsten Italiener zum Lachen brachte, sprachen die beiden doch nur Englisch miteinander. Die dicke Mary gebar vier Kinder, von denen eines als Queen Mary Geschichte schreiben würde – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Luxusliner, den man zunächst auf Victoria taufen wollte, doch auf jene Queen hätte ein Schlachtschiff eher gepasst.

Queen Mary, eine dominante Frau, ehelichte König George V., worauf des Paar im Volksmund „Georg und der Drache“ genannt wurde. George trug immer noch das Wappen des Hauses Sachsen-Coburg-Gotha am Siegelring, bis der Erste Weltkrieg ausbrach. Wutentbrannt gab George sämtliche deutsche Titel an wen auch immer zurück und nannte sich fortan George von Windsor. Sein Sohn George VI. führte England durch den Zweiten Weltkrieg und dem Respekt vor dem Haus Coburg ist es zu verdanken, dass die Stadt Coburg nicht zerstört wurde. Georges Tochter Elisabeth II. nahm den Namen Mountbatten-Windsor an. Sie ist nicht nur durch ihre Reisen bekannt, sondern auch durch ihren Sohn Charles, vor allem nachdem er Lady Di geehelicht hatte. Diana gebar Prinz William und der zeugte den kleinen George, der nun der Herzog von Teck ist. Dass die Briten mit Rücksicht auf die Rauten im Wappen von Teck ihre Fußballfelder künftig rautenförmig anlegen wollen, ist übrigens nichts weiter als ein Gerücht.

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